TĂ€gliches Joggen – solltest du jeden Tag laufen?

Wie gut ist tÀgliches Joggen wirklich? Hier findest du alle Vorteile und Gefahren, wenn du jeden Tag laufen gehst.

TĂ€gliches Joggen ist ein Trend, den es schon seit Jahren gibt. Immer wieder rufen Communities mit dem sogenannten „Streak Running“ dazu auf, jeden Tag laufen zu gehen. Aber wie gut ist das wirklich? Solltest du tĂ€glich joggen? In diesem Blogartikel erfĂ€hrst du:

  • Was passiert, wenn du jeden Tag laufen gehst?
  • Vorteile und Gefahren
  • Jeden Tag Laufen – So kann es funktionieren
Solltest du jeden Tag laufen gehen?

TĂ€gliches Joggen – Was passiert, wenn du jeden Tag laufen gehst?

NatĂŒrlich gibt es viele verschiedene Argumente fĂŒr und gegen tĂ€gliches Joggen. Es gibt Vor- und Nachteile, auf die ich nĂ€her eingehen möchte, damit du eine sinnvolle und aufgeklĂ€rte Entscheidung treffen kannst.

Die Vorteile von tÀglichem Joggen

„Streak Running“ ist nicht umsonst immer wieder ein Thema und ein Trend, der sich durchsetzt. Denn es gibt einige gute GrĂŒnde fĂŒr tĂ€gliches Joggen:

  • Du steigerst deine Fitness und Ausdauerleistung.
  • Dein Laufstil wird besser und ökonomischer.
  • Du machst Sport und Laufen zur tĂ€glichen Gewohnheit.
  • Deine Stimmung wird gesteigert und das Wohlbefinden positiv beeinflusst.
  • Du ĂŒberwindest mentale Barrieren und stellst dich einer Herausforderung.

Im folgenden gehe ich auf die einzelnen Punkte konkreter ein.

Bessere Fitness und Ausdauer

Wenn du jeden Tag laufen gehst, kann es sein, dass du einige positive VerÀnderungen wahrnimmst. Du steigerst deine Ausdauer und Fitness. Denn es stÀrkt dein Herz-Kreislauf-System und deine Lungenfunktion und beugt Zivilisationskrankheiten vor.

Ganz nebenbei wirst du deinen Laufstil verbessern, weil du durch die tĂ€gliche Übung eine bessere Ökonomie entwickelst.

Energieverbrauch

DarĂŒber hinaus steigerst du deinen tĂ€glichen Energieverbrauch. Das kann dir auch dabei helfen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen oder zu halten.

Achtung: Dieser Punkt ist mit etwas Vorsicht zu genießen. Viele Menschen kompensieren nĂ€mlich ihre verbrauchten Sportkalorien durch InaktivitĂ€t am restlichen Tag oder durch den Konsum von mehr Kalorien. Warum abnehmen mit Joggen schwierig sein kann, erfĂ€hrst du in diesem Artikel.

Stimmung und Wohlbefinden

Außerdem kann tĂ€gliches Joggen auch die Stimmung und dein Wohlbefinden positiv beeinflussen. Denn schon kurze Laufrunden schĂŒtten Endorphine aus, die dich besser fĂŒhlen lassen und Stress reduzieren.

Mentale Barrieren und Motivation

Ein weiterer Vorteil, den ich nicht außer Acht lassen möchte, ist auch das Thema Motivation und Routinen. Vielen Menschen fĂ€llt es leichter, gesunde Gewohnheiten zu etablieren, wenn sie jeden Tag daran arbeiten. Es kann also sein, dass du leichter eine Laufroutine aufrechterhalten kannst, wenn du tĂ€glich laufen gehst. Das hĂ€ngt aber von deinem Persönlichkeitstypus und deinem Mindset ab.

Außerdem kann dir eine Herausforderung wie jeden Tag laufen zu gehen auch Selbstvertrauen schenken und dir helfen, mentale Barrieren zu ĂŒberwinden. Durch eine solche Challenge lernst du deine eigenen Grenzen kennen und ĂŒberwinden und steigerst möglicherweise dein Selbstbewusstsein.

Die Nachteile von tÀglichem Joggen

NatĂŒrlich gibt es aber auch einige Nachteile und sogar Gefahren von tĂ€glichem Joggen, die in meinen Augen unheimlich schwer wiegen. Dazu gehören:

  • Das erhöhte Risiko fĂŒr Verletzungen und Überlastungen.
  • Fehlende SelbsteinschĂ€tzung und zu hoher Ehrgeiz.
  • Mangelnde EffektivitĂ€t des Trainings.
  • Das GefĂŒhl von Scheitern, wenn du doch mal einen Tag aussetzen musst.
TÀgliches Joggen - die unterschÀtzten Gefahren.

Verletzungen und Überlastung

Die grĂ¶ĂŸte Gefahr liegt wohl darin, dich zu verletzen und zu ĂŒberlasten.

Insbesondere in den ersten Jahren deiner Laufkarriere ist das Risiko fĂŒr Verletzungen und Überlastungserscheinungen am höchsten. Viele LĂ€ufer*innen klagen schon in den ersten Wochen oder Monaten nach dem Einstieg ĂŒber Knieschmerzen, Schmerzen in der Achillessehne beim Laufen, Schienbeinschmerzen, RĂŒckenschmerzen beim Laufen oder anderen Beschwerden. All das sollte dringend ernst genommen und im besten Fall gar nicht erst provoziert werden.

TĂ€gliches Laufen erhöht natĂŒrlich die Belastung um ein Vielfaches im Vergleich zu einem Trainingsplan, der zwei oder drei Trainingseinheiten pro Woche vorsieht. Denn es reduziert die Erholungszeit zwischen den Einheiten und kann dazu fĂŒhren, dass Mikro-Verletzungen in deiner Muskulatur entstehen, die nicht mehr verheilen.

Um verletzungsfrei und im besten Fall auch noch effektiv tĂ€glich joggen gehen zu können, benötigst du sehr viel Planung und Überlegung. Du kannst nicht jeden Tag intensiv trainieren und an deine Grenzen gehen. Im Gegenteil: Durch die erhöhte Frequenz musst du Abstriche in den einzelnen Einheiten machen und diese kĂŒrzer und weniger intensiv gestalten.

Das kann bedeuten, dass du an einigen Tagen nur 10 oder 15 Minuten laufen gehst und Intervalltrainings oder lange LĂ€ufen reduzieren solltest.

FĂŒr sehr ambitionierte LĂ€ufer*innen, die sich möglicherweise nicht komplett richtig und ehrlich einschĂ€tzen, ist tĂ€gliches Joggen eine echte Gefahr. Wenn du immer mehr willst und zu schnell zu viel von dir verlangst, ĂŒberlastest du dich schneller, als du denkst.

Deswegen darf tÀgliches Joggen niemals unter Schmerzen geschehen. Es erfordert eine sorgfÀltige Planung und einen sehr achtsamen Umgang mit dir selbst und deinen Körpersignalen.

Das sind die Gefahren von tÀglichem Joggen - solltest du jeden Tag laufen??

„Minimal effective Dose“

Wenn du einfach nur laufen möchtest, um dich gut zu fĂŒhlen, spricht natĂŒrlich nichts dagegen, tĂ€glich zu joggen. Wenn du allerdings höhere Ambitionen verfolgst, dich herausfordern und verbessern willst und weiter oder schneller laufen willst, kommst du um ein gut geplantes Training nicht herum.

Dabei geht es nicht darum, so oft, so schnell und so weit wie möglich zu laufen. Sondern eine sinnvolle Trainingsstruktur zu verfolgen, die sich aus Tempotraining, langen LÀufen und lockeren LÀufen zusammensetzt.

Bei der sogenannten „minimal effective dose“ geht es um die Trainingsdosis, die den minimalen Effekt mit sich bringt. Das kannst du dir so vorstellen:

Wenn du eine Stunde pro Woche trainierst, ist der Effekt im Vergleich zu keinem Training massiv. Du senkst dadurch dein Risiko fĂŒr MortalitĂ€t und Erkrankungen enorm und steigerst deine Fitness. Durch zwei oder drei Stunden Training pro Woche kannst du nochmals einen guten Fortschritt erzielen und natĂŒrlich mehr erreichen als mit einer Stunde. Allerdings ist der Unterschied von 0 Stunden auf 1 Stunde massiver als der Unterschied von 1 Stunde auf 2.

Ab einer bestimmten Grenze ist die Steigerung deiner EffektivitĂ€t nur noch minimal. Das bedeutet, wenn du beispielsweise zehn Stunden pro Woche trainierst, hast du einen signifikant höheren Aufwand, ein deutlich grĂ¶ĂŸeres Risiko und natĂŒrlich auch mehr Zeit investiert, aber im VerhĂ€ltnis nicht mehr so viel mehr erreich als mit fĂŒnf oder sechs Stunden.

Diese Zahlen sind nur beispielhaft und keine absoluten Richtwerte. Denn die „minimal effective dose“ und der Verlauf des jeweiligen Trainingseffekts ist individuell und abhĂ€ngig von deiner persönlichen Fitness, Trainingshistorie, Stresslevel, Alter und mehr.

Motivation und Scheitern

Obwohl ich das Thema Motivation und Mindset bereits als Argument fĂŒr tĂ€gliches Joggen genannt habe, kann es genauso gut als Argument dagegen fungieren.

Denn es gibt ein mentales Risiko, das wir hÀufig unterschÀtzen.

Stelle dir vor, du nimmst dir vor, dreimal wöchentlich laufen zu gehen. Wenn du eine Trainingseinheit ausfallen lÀsst, ist es in den meisten FÀllen kein Problem, sie am nÀchsten Tag nachzuholen. So erreichst du also trotzdem dein Ziel, in der Woche drei Laufeinheiten zu absolvieren.

Doch wenn du tĂ€glich laufen gehst und die Erfolge dokumentierst, steht ein einziger Misserfolg viel stĂ€rker im Vordergrund. Vielleicht hast du es geschafft, 37 Tage am StĂŒck zu laufen und am 38. Tag scheiterst du.

Die RealitÀt ist: Du bist 37 Tage lang gelaufen und ein Tag Pause ist vollkommen irrelevant (oder sogar notwendig).

Dein GefĂŒhl aber suggeriert dir, dass du gescheitert bist und bei 0 beginnst.

Dieses GefĂŒhl von „Scheitern“ kann massiv demotivieren und viel stĂ€rker einschlagen als das GefĂŒhl, eine einzelne Trainingseinheit zu verschieben.

Und lass uns ehrlich sein: Dass du irgendwann mal einen Tag aussetzen musst, ist extrem wahrscheinlich. Sei es auf Grund von Verpflichtungen, Schmerzen, Krankheit oder anderen ungeplanten Ereignissen.

Die unterschÀtzten Gefahren, wenn du jeden Tag laufen gehst. Diese Risiken und Nachteile solltest du kennen!

So kann tÀgliches Joggen funktionieren

Obwohl es zahlreiche Nachteile gibt, kann tĂ€gliches Joggen natĂŒrlich dennoch funktionieren. Das Wichtigste dabei ist ein vernĂŒnftiger Umgang mit dir selbst und deinem Körper und definitiv auch eine gute Fitnessgrundlage.

TĂ€gliches Joggen ist nichts fĂŒr AnfĂ€nger*innen. Doch wenn du einige Punkte beachtest, kannst du dennoch gesund und verletzungsfrei mit einem guten GefĂŒhl jeden Tag laufen gehen.

Achte auf die folgenden Dinge:

  • Du solltest bereits mindestens drei bis vier Mal pro Woche laufen, bevor du dich an tĂ€gliches Joggen wagst. Diese Basis kannst du ĂŒber einen Zeitraum von mehreren Monaten aufbauen.
  • Pausiere bei Schmerzen sofort und setze einen Tag aus.
  • Reduziere die LĂ€nge deiner Trainingseinheiten und ĂŒberschreite auf keinen Fall deine gewohnten Wochenkilometer.
  • Verzichte vorerst auf Intervalltraining oder TempodauerlĂ€ufe.
  • Laufe langsam oder locker.
  • Maximiere deine Regeneration, achte auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene ErnĂ€hrung.
  • Denke auch an Ausgleichstraining, insbesondere Krafttraining gehört zum Pflichtprogramm fĂŒr jede*n LĂ€ufer*in.

Wenn du diese Orientierungshilfen beherzigst, wird dir auch beim tÀglichen Joggen nichts passieren.

So klappt es garantiert: TĂ€gliches Joggen leicht gemacht. So schaffst du es, jeden Tag laufen zu gehen.

Fazit – TĂ€gliches Joggen

Wie du siehst, gibt es viele GrĂŒnde fĂŒr und gegen tĂ€gliches Laufen. Die Überlegung, ob es fĂŒr dich geeignet ist oder nicht, sollte bei deiner mentalen Einstellung und deinem Persönlichkeitstypus beginnen. Außerdem ist es wichtig, dass du die nötige Trainingserfahrung mitbringst.

Doch wenn diese Punkte erfĂŒllt sind und du achtsam mit dir selbst umgehst, steht auch tĂ€glichem Laufen nichts mehr im Wege.

So schaffst du es, tÀglich laufen zu gehen.

Author: Paula Thomsen

Paula Thomsen ist die GrĂŒnderin von Laufvernarrt. Mit ihrer gebĂŒndelten Expertise als staatlich anerkannte Physiotherapeutin, ErnĂ€hrungsberaterin und Personal Trainerin widmet sie sich ganzheitlich und fundiert den Themen rund um Fitness, ErnĂ€hrung, Training und mentale Gesundheit.