Hypothalamische Amenorrhoe: keine Periode durch Sport und Ernährung

Hypothalamische Amenorrhoe - keine Periode durch Sport - ist das möglich? So kann es passieren, dass du deine Menstruation verlierst.

Hypothalamische Amenorrhoe – kann es passieren, dass du durch keine Periode mehr durch zu viel Sport oder die falsche Ernährung bekommst? Welche Ursachen liegen der hypothalamischen Amenorrhoe zugrunde und welche Gefahren bringt sie mit sich? Und was kannst du tun, wenn du betroffen bist?

In diesem Beitrag erfährst du alles, was du wissen musst, wenn du keine Periode mehr durch Sport und Ernährung bekommst. Dich erwartet:

  • Was ist die Hypothalamische Amenorrhoe?
  • Ursachen der Hypothalamischen Amenorrhoe
  • Keine Periode durch Sport und Ernährung
  • Folgen der ausbleibenden Periode
  • Red-S, LEA oder Female Athlete Triad
  • Wie kannst du den Körper bei Hypothalamischer Amnorrhoe natürlich unterstützen?

Disclaimer: Dieser Blogartikel ersetzt keine fachärztliche Untersuchung oder Diagnostik. Er dient lediglich der Information und Hilfestellung. 

Keine Periode durch Sport und Ernährung - ist das möglich? Wie kommt es zur Hypothalamischen Amenorrhoe?

Was ist die Hypothalamische Amenorrhoe?

„Hypothalamische Amenorrhoe“ bezeichnet das Ausbleiben der Regel durch eine zentrale Störung in den Bereichen des Gehirns, die für die hormonelle Steuerung der Eierstöcke verantwortlich sind. Das bedeutet, dass die Regel bereits aufgetreten ist, jedoch seit drei Monaten oder länger ausbleibt. Auch eine unregelmäßige Periode kann durch eine solche Störung ausgelöst werden. Wenn dein Zyklus also extrem lang ist, kann die Ursache ebenfalls in dieser hormonellen Steuerung liegen. 

Die Diagnose einer hypothalamischen Amenorrhoe erfolgt immer durch eine*n Gynäkolog*in. Denn nur durch eine gründliche Untersuchung und Anamnese kann festgestellt werden, ob die Ursache der ausbleibenden Periode im Hypothalamus liegt oder ob ihr eine andere Erkrankung zu Grunde liegt.

Kannst du durch zu viel Sport keine Periode mehr bekommen?

Welche Ursachen liegen der hypothalamischen Amenorrhoe zu Grunde?

Grundsätzlich gibt es viele unterschiedliche Ursachen dafür, wenn du keine Periode bekommst. Der naheliegendste Grund ist eine Schwangerschaft. Aber auch unterschiedliche Erkrankungen, Zysten, Tumoren oder Störungen der Schilddrüse können dazu führen, dass die Menstruation ausbleibt.

Doch welche Ursachen liegen der hypothalamischen Amenorrhoe zu Grunde?

Du hast ja bereits erfahren, dass es sich dabei um eine Störung auf Gehirnebene handelt, nämlich des Hypothalamus. Aber wie genau kommt es dazu?

Die hypothalamische Amenorrhoe trifft besonders häufig schlanke Frauen, die körperlich sehr aktiv sind oder gerade viel abgenommen haben. Doch das Körpergewicht und der Körperfettgehalt sind nicht die einzigen begünstigenden Faktoren. Du kannst auch normalgewichtig oder sogar mehrgewichtig sein und unter einer hypothalamischen Amenorrhoe leiden.

Die häufigsten Gründe für diese Form der ausbleibenden Periode sind:

  • Eine unzureichende Energiezufuhr
  • Emotionaler und physischer Stress
  • Leistungssport und hohe körperliche Aktivität
  • Starke Gewichtsabnahme
  • Essstörungen wie Bulimie oder Anorexia Nervosa
  • Fasten
  • Untergewicht oder zu geringer Körperfettanteil
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • In seltenen Fällen: Tumoren oder Zysten
Die häufigsten Gründe für Hypothalamische Amenorrhoe - wenn du keine Periode durch Sport und Ernährung bekommst

Keine Periode durch Sport und Ernährung

Das hier wäre kein Fitnessblog, wenn ich mich hier nicht besonders auf eine spezielle Ursache für die hypothalamische Amenorrhoe konzentrieren würde. Nämlich wenn du keine Periode mehr durch Sport und Ernährung bekommst.

Wenn du körperlich sehr aktiv bist und gleichzeitig eine zu geringe Energiezufuhr hast, kann es zu einer hormonellen Störung kommen.

In den Medien wird intensiver Sport gerne als die Ursache dafür genannt, dass du keine Periode bekommst. Allerdings scheint das der aktuelle Stand der Wissenschaft nicht zu bestätigen.

Im Gegenteil: bisher weist alles daraufhin, dass du nur dann keine Periode durch Sport bekommst, wenn die Ernährung nicht stimmt und du nicht genügend Energie zuführst.

Wenn du also sportlich aktiv sein möchtest und regelmäßig trainierst, ist es absolut notwendig, dass du dauerhaft auch deine Ernährung entsprechend anpasst. Das beinhaltet ausreichend Energie und eine Ausgewogenheit aller Mikro- und Makronährstoffe.

Selbst ein zeitlich begrenztes Energiedefizit über den Tag scheint sich bei einigen Frauen negativ auf ihre Hormone auszuwirken. So kann intermittierendes Fasten oder Intervallfasten ebenfalls manchmal die Entstehung einer hypothalamischen Amonorrhoe begünstigen.

Um den Energiebedarf von aktiven Frauen zu decken, liegt die empfohlene Zufuhr bei 40-60 Kcal pro Kilogramm fettfreier Masse täglich. Liegen wir dauerhaft unter 30 Kilokalorien pro Kilogramm fettfreier Masse am Tag, kommt es zur sogenannten „Low Energy Availability“ (LEA), also der niedrigen Energieverfügbarkeit. 

Bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm und 20% Körperfett bedeutet also eine angemessene Kalorienzufuhr 1920 – 2880 Kilokalorien plus die verbrannte Energie durch Sport. Eine Zufuhr von unter 1440 Kilokalorien fällt unter die Low Energy Availability und erhöht somit das Risiko für keine Periode durch Sport enorm. 

Unterschätzte Gefahren durch hypothalamische Amenorrhoe

Mögliche Folgen von ausbleibender Periode

Hinter einer Hypothalamischen Amenorrhoe liegen immer Dysbalancen im Hormonhaushalt. Und diese Hormone beeinflussen mehr als die reine Fertilität der Frau.

In einigen Kreisen wird die Periode inzwischen schon als das „fünfte Vitalzeichen“ von Frauen in ihren fruchtbaren Jahren betrachtet. Das bedeutet also, selbst wenn kein Kinderwunsch vorliegt, ist ein regelmäßiger Zyklus ein wichtiger Indikator für die Gesundheit. 

Bereits drei Monate ausbleibende Periode können die Knochendichte reduzieren. Teilweise ist dieser Effekt irreversibel. Je länger der Zustand anhält, umso stärker wird dieser Effekt und umso höher das Risiko für Knochenbrüche, Ermüdungsbrüche und sogar Osteoporose. Das liegt an dem erniedrigten Oestrogenspiegel.

Weitere mögliche Folgen sind:

  • Erhöhtes Verletzungsrisiko
  • Auswirkungen auf den Alterungsprozess, die Durchblutung, Haut, Haare und Nägel
  • Stimmungsschwankungen und Störungen der kognitiven Fähigkeiten
  • Verdauuungsstörungen

Keine Periode durch Sport – RED-S, LEA und Female Athlete Triad

Beim Vorliegen von intensivem Sport und keiner Periode wird auch von RED-S (Relative Energy Defiency – Syndrome), LEA (siehe oben, Low Energy Availability) und früher vom Female Athlete Triad gesprochen. Hinter diesen drei Begriffen versteckt sich der gleiche Mechanismus: eine zu geringe Energiezufuhr für unsere physiologischen Bedürfnisse bei einem gleichzeitigen hohen Energieverbrauch durch Sport und Aktivitäten.

Dieses Phänomen wird häufig unterschätzt und findet sich bisher in nur sehr wenigen Lektüren. Auch Ärzt*innen übersehen es oft.

Es kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • Abnehmende Energiereserven
  • Reduzierte Kraft und Leistungsfähigkeit
  • Verringerte Konzentrationsfähigkeit
  • Depressionen oder Antriebslosigkeit
  • Erhöhte Verletzungs- und Infektanfälligkeit
  • Abnehmende Knochendichte
  • Hormonelle Störungen wie z.B. Testosteron oder Oestrogen
  • Eingeschränktes Wachstum oder gestörte Entwicklung
  • Störungen von Körperfunktionen wie Magen-Darm und Gefäße
  • Akne, trockene Schleimhäute
  • Hirsutismus, Lanugobehaarung

Beim Auftreten von einem oder mehreren dieser Symptome und bei starkem Gewichtsverlust, sollte dringend fachärztlich untersucht werden.

Hypothalamische Amenorrhoe behandeln – Wie kannst du deinen Körper unterstützen?

Grundsätzlich ist bei einem Verdacht auf eine hypothalamische Amenorrhoe immer der oder die Gynäkolog*in der/die erste Ansprechpartner*in. Dieser kann notwendige Untersuchungen durchfuhren und mit dir gemeinsam das weitere Vorgehen besprechen.

Wenn du keine Periode durch Sport und eine zu geringe Kalorienzufuhr hast, ist dies der erste Punkt, an dem du ansetzen darfst.

Das bedeutet, dass du konsequent deine Energiezufuhr erhöhen solltest.

In einer Studie an jungen körperlich aktiven Frauen mit Amenorrhoe und Oligomenorrhoe wurde untersucht, wie sich die reine Erhöhung der täglichen Energiezufuhr auf den Zyklus auswirkt. Tatsächlich konnte bei 64% der Teilnehmer*innen durch eine Erhöhung ihrer täglichen Kalorien um 20-40% der Zyklus wiederhergestellt werden. Durchschnittlich entsprach das einem zusätzlich Konsum von 330 Kilokalorien am Tag.

Die besten Tipps, wenn du keine Periode durch zu viel Sport bekommst

Weitere unterstützende Maßnahmen sind:

  • Reduktion von Stressfaktoren aller Art. Denn bereits kleine Stressoren können eine große Wirkung in unserem Hormonhaushalt entfalten und ihn damit durcheinanderbringen. Durch Entspannungstechniken, Arbeit an deiner Psyche und Prioritäten tust du dir also in jedem Fall etwas Gutes.
  • Die Gabe von Vitamin D und Calcium empfehlenswert, um dem Abbau deiner Knochen entgegenzuwirken.
  • Eine Fettzufuhr von mindestens einem Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ist obligat. Bevorzuge hochwertige Fettquellen!
  • Vermeide jegliche Extreme wie Low Carb, Low Fat oder andere strikte Ernährungsformen. All diese Diäten können deine Schilddrüse und damit dein reproduktives System durcheinander bringen. Übertreibe es auch nicht mit intermittierendem Fasten und reduziere die Fastenphase über Nacht auf maximal 12 Stunden.
  • Trainiere moderat und vermeide stundenlanges Ausdauertraining. Achte auf ausreichend Regeneration zwischen den Einheiten. Bevorzuge 2-3 Einheiten Krafttraining pro Woche mit moderatem Volumen und ohne an das Muskelversagen zu gehen, um deine Knochengesundheit zu unterstützen.
  • Gib dir Zeit und behalte dich selbst im Blick. Als Faustregel kannst du mindestens pro Jahr Zyklusstörungen einen Monat Zeit einplanen, um ihn zu normalisieren.

Quellen:

Author: Paula Thomsen

Paula Thomsen ist die Gründerin von Laufvernarrt. Mit ihrer gebündelten Expertise als staatlich anerkannte Physiotherapeutin, Ernährungsberaterin und Personal Trainerin widmet sie sich ganzheitlich und fundiert den Themen rund um Fitness, Ernährung, Training und mentale Gesundheit.

6 thoughts on “Hypothalamische Amenorrhoe: keine Periode durch Sport und Ernährung

  1. Super Artikel! Ich hatte vor einem Jahr meine Tage auch zwei Jahre lang nicht! Iund mein Arzt fand das nicht weiter schlimm! Schrecklich! Jetzt esse ich viel mehr Fett und alles in Butter- sprichwörtlich haha

  2. Oh Mann, heftiger Artikel. Ich finde mich ziemlich wieder bei den Ursachen… sollte ich vielleicht doch mal was unternehmen gegen die ausbleibende Periode…

  3. Ich danke dir für den Artikel!!! Kannst du das mit dem Eisenmangel erläutern? Meine Ärzte meinen, dies hätte nichts miteinander zu tun. Und mich würde noch intetessieren, was du davon hälst eine Blutung durch Hormoneinnahme erzeugen.

    1. Hallo Marina, danke für deine Nachricht 🙂 Ich habe leider gerade keine Studie dazu griffbereit, nur die Aussagen anderer Ärzte (jaja, schön, dass die Medizin sich immer einig ist…). Rein logisch lässt es sich dadurch erklären, dass starker Eisenmangel zu einer Blutarmut führt. Und diese wiederum führt zu Stress (=ein begünstigender Faktor von Amenorrhoe) und einem Ausbleiben der Regel, weil der Körper ziemlich dumm wäre, seine wenigen Blutreserven noch für die Fruchtbarkeit zu opfern. Da passt sich der Körper ja normalerweise recht gut an.

      Die Blutung durch Homoneinnahme zu erzeugen – das hängt ganz von dem Fall und der Ursache ab. Und die Art der Hormone. Oftmals verschreiben Ärzte ja die Pille, um die „Blutung“ zurückzuholen. Hierbei handelt es sich aber nicht um die klassische Monatsblutung, sondern um eine künstlich erzeugte Blutung, hat also ergo keinen Einfluss auf deinen Körper (siehe auch mein Artikel über hormonelle Verhütung). Es kann allerdings wegen der Begleiterscheinungen manchmal sinnvoll sein, die Hormonstörung symptomatisch zu behandeln. Ein Blick auf die Ursachen ist aber immer (!) wichtig. Im Zweifelsfall befrage bitte mehrere Ärzte, weil ich leider weder Ärztin bin noch deinen konkreten Fall kenne 🙂

    1. Das ist wahr, Dani. Danke dir für deine Rückmeldung! Wir sollten einfach viel offener mit diesen Themen umgehen 🙂

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