Über die Geschichte von Laufvernarrt

Etwa zwei Jahre ist es nun her, dass ich als Laufvernarrt begonnen habe, zu bloggen, Texte zu schreiben, zu motivieren, mein Essen zu fotografieren und euch auf meine Reise mitzunehmen. Zwei Jahre, in denen sich so viel verändert hat. Und weil nicht jeder seit Anfang an dabei war – im Gegenteil, den größten Anteil an Lesern habe ich erst im Laufe diesen Jahres gewonnen – erzähle ich heute eine Geschichte. Eine Geschichte über meinen Blog, über die Kernthemen und warum es auf “Laufvernarrt” eigentlich kaum noch ums Laufen geht. Die Geschichte wird lang. Denn ich erzähle nicht nur über Laufvernarrt, sondern meine Geschichte, die eben Laufvernarrt so prägt.

Von Jogger zu Läufer zu Sportler

Ich laufe schon seit Jahren. Ich glaube, vor etwa 4 oder 5 Jahren bin ich meinen ersten Volkslauf über 10km gelaufen und seitdem gab es kein Jahr ohne neue Laufschuhe. Damals war es nur ein Ausgleich. Mein einziger Sport (neben stundenlanger Stallarbeit und zwei Pferden, die bewegt werden wollten ;)).

2013
2013

Ich lebte zwar damals schon vegan, aber wirkliches Wissen über Gesundheit und Ernährung hatte ich noch nicht. Ganz im Gegenteil – das Jahr meines Abiturs (2013) war das Jahr, in dem ich mich wohl am ungesündesten ernährt habe und den meisten Alkohol überhaupt getrunken habe. Ich weiß noch, dass ich völlig verkatert beim Volkslauf angetreten bin und zwei Mal die Woche feiern und Alkohol völlig normal waren. Dass ich dazu mein höchstes Gewicht hatte (dennoch war ich nie dick) und dauerhaft unter Depressionen litt, kam noch erschwerend hinzu.

Doch mit Abschluss der Schule sollte sich etwas verändern: ich begann meine Ausbildung zur Physiotherapeutin, lief öfter, mehr, ernährte mich gesünder und hatte ab meinem 18. Geburtstag keine Lust mehr auf Alkohol. Es reizte mich nicht mehr, mich zu betrinken. Stattdessen wollte ich laufen. Wollte meinen Körper spüren, wollte fit werden, schnell werden und weiter laufen. Das erste Ziel wuchs in meinem Kopf: ich wollte einen Halbmarathon laufen! Doch die Vorbereitungen waren durchwachsen. Meine erste Laufverletzung zeigte sich – ein ausgewachsene ITBS (Tractus-Syndrom, auch bekannt als Läuferknie) und mir wurde klar, dass Laufen allein nicht reichte. Ich fand zu einem großartigen Trainer, der mir eigentlich nur ein bisschen Stabi und das Ausgleichstraining zum Laufen beibringen sollte, zwei Monate später fand ich mich am Eisen wieder und entdeckte meine zweite Leidenschaft: das Krafttraining mit schweren Gewichten. Ich begann zu lieben, wie sich mein Körper durch das schwere Training veränderte. Wie ich mich Training für Training wohler fühlte – es schien mir als die perfekte Kombination – Krafttraining und Laufen. Endlich war ich sportlich gesehen “angekommen”.

Die Geburt von Laufvernarrt
Ich glaube, hier entfachte wirklich meine Faszination für den Sport, für die Fitness, das Laufen, den mensch- lichen Körper.
Ich machte neben der Physioausbildung eine Weiterbildung zur Lauftrainerin, trainierte härter und intensiver, begann meine Ernährungsberater-Lizenz.
2014Laufvernarrt wurde geboren. Ich begann damals, im Jahr 2014, no
h auf www. laufvernarrt. wordpress. com meine ersten Zeilen zu schreiben. Inspiriert haben mich damals vor Allem Klara Fuchs, Mark Maslow und (ich traue es mich kaum zu schreiben!) Melina Esmeralda sowie Vanessa Blum. Letztere beiden sind inzwischen völlig aus meinem Inspirationskreis verschwunden, aber das nur nebenbei 😉

Von Übertraining und Marathons

Nach mehreren Halbmarathons und einer wachsenden Laufgruppe wollte ich mehr: Marathon sollte es sein. Ich war nie überzeugt, jemals Marathon zu laufen, doch ich fand, dass ich als Lauftrainerin das zumindest einmal gemacht haben müsste. Gesagt, getan, Weihnachten 2014 meldete ich mich zum Haspa Marathon Hamburg an und trainierte von da an hart. Härter als je zuvor, weiter, länger. Krafttraining litt natürlich darunter, aber nichts hielt mich auf, diszipliniert 4x wöchentlich meine Laufschuhe zu schnüren und zwei Mal zu pumpen, bis Schienbeinkantensyndrome mir einen Strich durch die Rechnung machen wollten. IMG_8091Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt kontinuierlich im Übertraining befand. Im Nachhinein ist es für mich ein Wunder, dass ich das so lange durchgehalten habe. Ich habe keine Ahnung, wie mein Körper es geschafft hat, sich weiterhin bis zum Marathon zu steigern. Die Wehwehchen wurden weitestgehend ignoriert, die Psyche litt, weil ich zugleich eine unwahrscheinlich harte Zeit durchmachte (neben einer kurzfristigen Obdachlosigkeit Dank Hausbrand verlor ich meinen Praktikumsplatz und beendete kurze Zeit später die Beziehung, unter der ich nur noch litt). Und trotzdem wurde der erste Marathon im April 2015 gerannt. Ich wollte unter 4 Stunden laufen, ich lief unter vier Stunden.

Zu diesem Zeitpunkt drehte sich auf Laufvernart viel ums Laufen. Manchmal um Ernährung, indem ich neue Rezepte veröffentlichte oder Experimente wie “Banana Island” machte und präsentierte. Ich schrieb Artikel darüber, wie man sich selbst trainiert. Wie man seinen Trainingsplan erstellt, welche Trainingsformen es gibt und wie man sein Ausgleichstraining gestalten sollte oder kann.

Einsicht & Selbstverarschung

Eigentlich wollte ich von da an reine Langstreckenläuferin werde. Ich brannte für das Laufen. Krafttraining verlor für mich an Wichtigkeit. Laufen. Laufen. Laufen. Nach einer viel zu kurzen Erholungszeit vom Marathon haute ich noch die ein oder andere Bestzeit hin, bevor ich das erste Mal längerfristig ausgeknockt wurde: zwei Schleimbeutelentzündungen (Hüfte & Achillessehne) sowie beidseits Knochenhautentzündungen an den Schienbeinkanten zeigten, dass es einfach zu viel war. Ich glaube, das war das erste Mal seit zwei Jahren, dass ich wirklich konsequent zwei Wochen lang nicht trainieren konnte. Allmählich verstand, dass ich weglief und dass es so nicht weitergehen konnte. So kam die mentale Komponente mehr und mehr ins Spiel. Das perfekte Sixpack und die perfekte Laufzeit sollten in den Hintergrund rücken, stattdessen sollten das Wohlbefinden und die Gesundheit eine größere Rolle spielen.

Netter Versuch.

Die Selbstverarschung ging kurze Zeit weiter. Nach knapp zwei Monaten Pause begann ich wieder zu laufen. Zu schnell zu viel. Mittelfuß KinesiotapeDie Bergstrecken in Schweden gaben mir den Rest und in einem Tempodauerlauf brach mein Mittelfußknochen.
Nachdem ich ca. 6 Wochen ohne Diagnose weiter darauf herumtrampelte, folgten noch zwei weitere Monate Laufpause. Den ganzen Herbst 2015 fiel ich aus und konnte nicht laufen. Musste mich verabschieden von Übertraining und Sportsucht und spürte das erste Mal, wie mein Körper, aber auch meine Psyche, heilten. Ich hörte auf zu übertreiben. Dieses Mal wirklich. Ich achtete besser auf mich und ich wollte nun wirklich Wohlbefinden und Gesundheit.

Zeit für Ehrlichkeit

Ich glaube, zu dem Zeitpunkt habe ich auch angefangen, hier auf Laufvernarrt ehrlicher zu sein. Sportsucht auszusprechen und mich eben mehr und mehr auch der mentalen Komponente zu widmen. Reine Laufthemen verloren ein wenig an Wichtigkeit, stattdessen gab es auch mal was über Krafttraining und co. und ganz viel über die Psyche.

Als ich dann im Januar 2016 wieder ins Lauftraining einsteigen konnte, gab es natürlich auch wieder ein paar mehr Lauftipps auf Laufvernarrt. Ich war ganz enthusiastisch über meine zurückgewonnene Freiheit als Läuferin und konnte Dank meines ersten großen Bloggerevents bei Bauerfeind meine Angst vorm Laufen überwinden. Neue Ziele wurden gesetzt, mehr Blogartikel über Motivation geschrieben. Im Frühjahr ’16 wollte ich auch endlich das Thema Ernährung zugänglicher für meine Leser machen und schrieb mein erstes Ebook der Reihe “Selbstläufer” – inzwischen haben knapp 1500 Leute dieses Buch kostenfrei geladen, was mich nicht nur mit Stolz erfüllt, sondern auch enorm motiviert. Ich begann, meine Coaching-Dienstleistungen auch online anzubieten. Als Ernährungsberaterin, Lauftrainerin und beinahe Physiotherapeutin hatte ich schließlich schon Einiges zu bieten – die Coachings kamen gut an und ich durfte erfolgreich einige Personen auf ihren Wegen begleiten.

Dann war Juni ’16. Ich stand in der Hochphase der Vorbereitung auf mein Halbmarathon-Comeback, dem Hella Halbmarathon in Hamburg. Sad LipsUnd fiel aus. Schienbeinkantensydrom dachte ich zu dem Zeitpunkt. Habe hier einen traurigen Artikel veröffentlicht, darüber, wie es sich anfühlt, seine Wettkämpfe einen nach dem anderen absagen zu müssen und von einer Verletzung in die nächste zu rasseln. Ich bekam hier so viel Zuspruch, so viele tolle Menschen, die mitfühlten und Ähnliches durchmachten, was mich noch mehr motivierte und mir zeigte, dass Laufvernarrt auch wertvoll ist, wenn es sich nicht nur ums Laufen dreht.

Und wieder ging das Krafttraining, aber das Laufen nicht. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl, dass intensives Laufen einfach nicht mehr drin ist. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt. Dass irgendwas falsch lief. Trotz Stabi, Stabi, Stabi, endlos Lauf ABC, Koordination, einem guten Trainingsplan und der besten Ausrüstung schien mein Körper sich einfach immer wieder gegen die Belastung zu wehren.

Laufen fiel aus. Über Monate. Es dauerte 10 Wochen, bis ich die Diagnose bekam: massiver Bandscheibenvorfall L5/S1. Weitere 3 Monate, bis ich meine ersten Laufschritte wieder wagen mochte. Und das ist erst ein paar Wochen her.

Warum es auf Laufvernarrt kaum noch ums Laufen geht

Kein Wunder eigentlich, dass Laufen mit der Zeit an Relevanz verlor, oder? Und trotzdem wollte ich das hier nicht aufgeben. Nur weil Laufvernarrt nicht mehr laufen konnte (und längst nicht in dem Maße Laufen kann, wie ich es mal gerne wollte), heißt das nicht, dass ich nicht weiter schreiben kann. Denn inzwischen gibt’s so viel mehr Themen für mich als das Laufen. Ich hab festgestellt, wie wichtig die Mentalität ist – nicht umsonst sind meine Steckenpferde inzwischen “Ernährung – Fitness – Mentalität”. Und deshalb suchst du hier in den aktuellsten Artikeln manchmal vergeblich nach Tipps zum Laufen. Aber warum auch? Reine Laufblogs gibt’s wie Sand am Meer.
Life Coaches, Ernährungsberater, Physiotherapeuten und Trainer in einem wesentlich weniger.

Und nun hab ich hier den längsten Artikel in meiner Bloggeschichte geschrieben – über meine Bloggeschichte. Ich weiß nicht, ob es dich überhaupt interessiert. Es ist eben auch ein ungewohnt persönlicher Artikel, wenngleich er das Meiste nur grob angeschnitten hat. Aber ich möchte dir gern die Chance geben, ein bisschen besser die Entwicklung von Laufvernarrt nachzuvollziehen. Vielleicht findest du dich in manchen Punkten wieder. Vielleicht hast du meine Geschichte ja auch schon von Anbeginn verfolgt. Oder vielleicht ist es dir scheißegal und du hast schon nach den ersten drei Sätzen aufgehört zu lesen. Alles ist ok.

Wenn du schon länger dabei bist, würde mich deine Meinung interessieren: Was gefällt dir an Laufvernarrt? Wie gefällt dir die Entwicklung vom “reinen” Fitness und Laufblog zu mehr Mentalität, Persönlichkeit, Selbstverwirklichung? Magst du gern auch mal persönliche Blogartikel von mir oder möchtest du nur Fachwissen vermittelt bekommen?
Ich freue mich auf deine Meinung in einem Kommentar!

17 thoughts on “Über die Geschichte von Laufvernarrt

  1. Hallo Liebes,

    vielen Dank für diesen ehrlichen und tollen Artikel!!! Du offenbarst damit so vieles, worin sich sicher der ein oder andere wiedererkennen wird.
    Ich finde deinen Blog gerade wegen dieser Mischung aus Sport, Ernährung, Motivation, kritischem hinterfragen so besonders und komme daher auch immer wieder zurück. Es geht bei dir einfach um mehr und das finde ich klasse!
    Bin auf dein 2017 gespannt und wünsche dir nur das Beste ?

    Liebste Grüße,
    Daran

  2. Liebe Paula,

    dein Artikel ist großartig. Ich bin vor ungefähr 1 1/2 Jahren auf dich, deinen Blog und deine Instagram Seite gestoßen und bin unendlich dankbar dich gefunden zu haben! Du lieferst so tolle Artikel, dein E-Book ist echt ein Traum! Gerade weil es nicht immer nur ums laufen geht, sondern auch deine ganzen anderen Themen die du behandelst finde ich deine Arbeit so wunderbar! Gerne würde ich im kommenden Jahr auch mehr persönliche Blogartikel über dich lesen.

    Ich wünsche dir für das Jahr 2017 alles Gute! Bleib so wie du bist und mach weiter so!

    Liebe Grüße

    1. Wow, danke Franzi für dieses unglaubliche Feedback, freut mich enorm! Jaa, ich denke, es wird mehr persönliche Artikel geben 🙂 Wünsche dir ein schönen letzten Monat 2016 🙂

  3. Bewegende Geschichte die du da hast.
    Und ist es nicht eigentlich wichtig, dass wir etwas tun was uns gut tut und nicht etwas was uns kaputt macht?! Und auch zuviel Sport kann und eben zerstören. Unabhängig davon ob es Ausdauer- oder Kraftsport ist. Hoffentlich kannst du noch lange gesund und ausgeglichen Sport treiben und dich wirklich wohl und fit fühlen.

    1. Markus – Danke für diesen Kommentar, der blieb mir tatsächlich noch ein paar Stunden im Kopf. JA, du hast so Recht, Hauptsache, wir tun etwas, das uns guttut. Lieben Gruß 🙂

  4. Ich folge dir schon länger auf Instagram und habe erst jetzt deinen blog hier so richtig “entdeckt”..und ich bin total begeistert.
    Und deine Geschichte hier… puh!
    Ich bin auch Physio und habe mich ganz schön ertappt beim lesen. Man weiß es eigentlich selbst besser und weiß was mein seinen Patienten raten würde..aber wenn es um einen selbst geht??!? Schwierig..
    Auch ich kämpfe seit meinem Urlaub Ende September ständig mit Erkältung und Halsschmerzen und bin völlig ausgenockt und liege jetzt brav zu Hause (in meinem Urlaub =() und versuche der Sportlust zu widerstehen..=)

    Ich drücke dir die Daumen, dass du deinen Weg findest und immer mehr lernst deinen Körper nicht zu wahrzunehmen sondern auch auf ihn (und seine Warnsignale) zu hören!

    Ganz liebe Grüße,
    Katharina

    1. Danke Katharina 🙂 Freut mich sehr.
      Jaa, so ist das immer. Wir wissen es eigentlich besser und das Gefühl leitet doch woanders hin… Halt durch und werd wieder fit!

  5. Was für ein wunderschöner Beitrag 🙂 Es ist schön diese Geschichte einmal zu lesen. Natürlich sind da auch sehr traurige Aspekte dabei, aber du hast nicht aufgegeben und das zeigt deine Stärke. Du zeigst uns diese nicht nur, sondern du motivierst dadurch auch und das ist einfach klasse!!

    Liebe Grüße
    Kathleen von http://www.kathleensdream.de

  6. Hallo Paula,
    eine tolle Geschichte. Ich finde es wirklich bewundernswert, wie du dich von den Verletzungen nicht entmutigen lässt und immer weiter machst. Mir gefällt die Themenvielfalt auf deinem Blog gut. Auch auf Instagram lese ich gerne deine Posts zum Thema Zielsetzung, Tagesplanung und “Verbesserungen” in sämtlichen Lebensbereichen. Weiter so 🙂
    Liebe Grüße
    Lisa

  7. Liebe Paula,
    ich weiß gar nicht mehr genau wie ich auf deinen Blog und auch Insta-Profil gestoßen bin, aber es ist auf jeden Fall schon eine ganze Weile her…So habe ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder hier reingelesen.
    Und es sind gerade die persönlichen Posts, Sichtweisen und Erfahrungen die mich sehr interessieren…In Vielem erkenne ich mich selbst wieder.
    Und da ich auch gerade nach einer weiteren gründlichen Selbstverarsche völlig ausgeknockt auf der Couch vor mich hinvegetiere und nur vom Laufen und Krafttraining träume, hab ich wenigstens die Zeit endlich mal nen Kommentar zu hinterlassen.
    Mach mit dem Blog einfach weiter, wie du denkst – Dann machst du alles richtig. LG, Mee

    1. Liebe Mee, danke für deinen tollen Komentar, freue mich sehr über deine Worte 🙂 Ja, klar, im Endeffekt entwickelt sich das hier sowieso dahingehend, wie ich Bock habe, aber mal nach den Eindrücken meiner Leser zu fragen, schadet ja sicher nicht. Gute Besserung :*

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