Angst als Motivator

Warum trainierst du?
Kennst du deine Motive und Gründe, die dich immer wieder ins Training bewegen?

Die Motivation ist individuell – während der Eine sich als Ziel setzt, einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu schaffen, möchte der Nächste vielleicht etwas Gewicht verlieren und noch ein anderer einen Halbmarathon bezwingen. Natürlich kann die Motivation auch vielseitiger sein und eine Symbiose aus unterschiedlichen Antrieben – je mehr Gründe es für den Sport gibt, umso leichter fällt es den Menschen auch, ihr Pensum zu absolvieren und umso mehr Freude und Zufriedenheit erfahren sie durchs Training.

Doch es gibt einen Antrieb, der dich längerfristig ins Aus befördert: Angst.

Das schlechte Gewissen, wenn das Training nicht absolviert wird, scheint sozial immer anerkannter zu werden. „Ich muss mal wieder zum Sport“ wird der Leitsatz und Angst vor den negativen Folgen, wenn das Training vernachlässigt wird, der Hauptgrund, sich aufzuraffen. Angst davor, seine Fitness zu verlieren, Angst, zuzunehmen, Angst, als schwach zu gelten, Angst vor Reaktionen der Umwelt, Angst vor Reaktionen des Körpers, Angst vor dem Versagen im Wettkampf, Angst vor Verletzungen, … Angst – wovor eigentlich?

Es liegt nahe, dass Angst nicht langfristig funktionieren kann. Die Folgen sind nicht zu unterschätzen. Was dauerhafter Stress auslöst, habt ihr in diesem Artikel bereits gelesen, doch dauerhafte Angst zeigt sich nicht wesentlich anders.
Training wird zum Stressthema, wird ein Druckthema und voller negativer Emotionen. Wer Angst hat, kann keine volle Leistung erbringen. Das Selbstvertrauen sinkt und die Fähigkeiten nehmen ab. Du gerätst in Handlungsunfähigkeit und ein großer Teil deiner Kapazitäten kümmern sich um die Sorge der möglichen Folgen. Auch die Bewegungsabläufe leiden, denn deine Koordinationsfähigkeit nimmt ab und du verlierst an Konzentration. Angstvolle Menschen reduzieren ihre Körperaktivität, zwar haben sie generell eine höhere Muskelspannung und einen schnelleren Herzschlag, doch die Körperhaltung wird verkrümmt und die Bewegungen auf das Nötigste minimiert.

Früher oder später wird die Angst zur Blockade und steht in keinem Verhältnis mehr zur ursprünglichen Thematik. Diffuse Angst, die uns zu irgendwas treibt, nur nicht zu mehr Leistung. Die Angst vorm Versagen lässt dich also versagen. Angst erzeugt Lähmung und Hilflosigkeit.

Wenn du bei dir selbst beobachten kannst, dass die Angst vor den negativen Folgen des Nichttrainings einen hohen Stellenwert haben, solltest du dringend ins Handeln kommen. Und mit Handeln meine ich nicht unbedingt trainieren, sondern gezielt diese Ängste erforschen und aushalten.
Häufig liegen diesen Ängsten tiefliegende Probleme zu Grunde – ein geringes Selbstvertrauen, Ablehnung durch das Umfeld, der Versuch, sich durch den Sport an Wert zu erkämpfen, etc. Was genau dein Thema ist, kannst nur du herausfinden, und wenn du es nicht allein schaffst, ist es nicht verkehrt, sich professionelle Hilfe dazu zu holen.

Ein paar Tipps, wie du deinen Ängsten den Kampf ansagen kannst und dir deinen Weg zur funktionierenden Motivation erarbeitest:

  • sich mit den Ängsten konfrontieren – was passiert wirklich, wenn du nicht trainierst?
  • schlimmste Befürchtungen aufschreiben und rational beurteilen
  • Angstursachen erforschen
  • anderen Fokus setzen – was gibt dir Freude in deinem Leben außer Training? Freunde, dein Haustier, deine Familie, Zeichnen, Spazieren, … ?
  • Motivatoren erarbeiten – welche positiven Erlebnisse verbindest du mit Sport und wie profitierst du vom Training außer vor deiner Angst wegzurennen?
  • neue Sportarten probieren – durch neue Reize verlierst du deinen ständigen Trott und möglicherweise auch deine Angst. Ich habe zum Beispiel vor Kurzem Kampfsport & Calisthenics für mich entdeckt
  • Leistungsdruck reduzieren – lauf mal wieder ohne Uhr und GPS-Kontrolle los, einfach nur des Laufens wegen oder mach dein Krafttraining ganz ohne Druck, bestimmte Gewichte oder Wiederholungszahlen erreichen zu müssen
  • Ziele überdenken und hinterfragen – was möchtest du im Sport oder mit dem Sport erreichen und was erträumst du dir davon? Sind diese Ziele realistisch? Wie kannst du ihnen näherkommen?
  • Ursachen erkennen und behandeln
  • Entspannungstechniken, Atemtechniken, Loslassübungen, Meditation
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neuen Fokus setzen, andere Sportarten probieren und loslassen 🙂

Wie steht es mit dir? Ist die Angst vor den negativen Folgen des Nichttrainings für dich eine entscheidende Motivation zu trainieren? Wenn ja, wie gehst du damit um? Wenn nein, was motiviert dich stattdessen? Schreibe einen Kommentar 🙂

5 thoughts on “Angst als Motivator

  1. Wirklich toller Beitrag und sehr wichtiges Thema.
    Ich finde den Punkt: neue Sportarten ausprobieren klasse. Es gibt so viele verschiedene Arten immer wieder spannend. 🙂

    Alles liebe veg.fruitia

  2. HI,

    ich kenne die Angst nur in der direkten Wettkampfvorbereitung bzw. in der Taperinphase davor 🙂 Da kommen die typischen Gedanken auf und es fällt mir schwer ruhig zu bleiben. Ich weiß aber zum Glück dass Regeneration wichtig ist, nur ein ausgeruhter Körper kann Leistung bringen.

    Was mir hilft wenn ich mal wieder das Gefühl habe „fett und faul“ zu sein, ist ein Blick in meiner Trainingsaufzeichnungen. Da sehe ich dann recht schnell dass ich zumindest ausreichend trainiert habe, klar geht immer irgendwie mehr aber „wir“ müssen immer dran denken dass der Sport nur ein Teil unseres Lebens ist und wir damit kein Geld verdienen müssen. Da können wir ruhig auch mal eine Woche „fett und faul“ sein.

    Gruß
    Sascha

    P.S. da ich in der Tat ein recht fauler Mensch bin, fällt mir das stillhalten nach gut einer Woche dann umso leichter. Muss mich dann förmlich in den Hinter treten um wieder regelmäßig zu laufen 🙂

    1. Hej Sascha, danke für deinen netten und ehrlichen Kommentar. Der Blick in die Trainingsaufzeichnungen ist tatsächlich eine gute Idee! Sollte ich vielleicht nochmal mitaufnehmen 🙂 Liebe Grüße Paula

  3. Hi Paula,

    Angst kann ein extrem starker und nützlicher Motivator sein, wenn man sich dessen bewusst ist. Wenn man sich allerdings in seine Angst verrennt ist das eher schädlich als nützlich, da stimme ich Dir zu.

    Ich beschäftige mich jetzt seit einiger Zeit u.a. auch viel mit NLP. Dort spricht man von einer „von weg Motivation“. Das Thema wird dort auch unterschiedlich gesehen. Die Motivation zu einem großen Ziel hin wird von den meisten (zu Recht) als die gesündere angesehen. Eine gesunde Portion Angst vor einem ungewollten Zustand bei deutlichem (!) Fehlverhalten kann jedoch ein extrem starker Multiplikator sein und vor allem auch beim Dranbleiben helfen.

    Viele Grüße
    Jahn

    1. Hej Jahn, danke für deinen Kommentar. Das hast du absolut Recht! Ein gewisses Maß an Angst vor deutlichem Fehlverhalten kann nützlich sein, aber hier ging es ja vor Allem um die unrealistische Angst in zwanghaften Formen. Liebe Grüße Paula

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